Der ehrliche Realitätscheck für Hausmittel, Baumarktprodukte und den Hochdruckreiniger, Untergrund für Untergrund.
Der Eigenversuch ist verlockend, weil er nichts kostet außer einem Nachmittag. Auf manchen Untergründen funktioniert er wirklich gut. Auf anderen macht er die Sache teurer, weil zum Graffiti ein Schaden am Untergrund dazukommt. Diese Seite sagt ehrlich, wo die Grenze liegt.
Kurz: Auf Glas, Fliesen und lackiertem Metall gelingt der Eigenversuch bei kleinen Flächen oft. Auf Putz, Beton, Klinker und Naturstein ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein sichtbarer heller Fleck oder ein Farbschatten zurückbleibt. Hausmittel wie Backpulver oder Essig lösen ausgehärteten Sprühlack nicht.
Sprühlack aus der Dose ist harzhaltig und trocknet zu einem geschlossenen Film. Auf dichten Oberflächen liegt dieser Film obenauf und lässt sich lösen. Auf porösen Oberflächen läuft die noch flüssige Farbe in die Poren und härtet dort aus. Sie sitzt dann nicht auf der Wand, sondern in der Wand. Deshalb entscheidet nicht die Größe des Graffiti, sondern der Untergrund darüber, ob der Eigenversuch sinnvoll ist.
Im Netz kursieren viele Tipps. Was davon trägt:
Auf einer ohnehin gestrichenen Fassade ist Überstreichen ein legitimer Weg, vor allem wenn es schnell gehen muss. Zwei Dinge sind wichtig. Erstens schlägt Sprühfarbe durch normale Fassadenfarbe durch, oft erst nach Wochen, deshalb braucht es einen isolierenden Sperrgrund. Zweitens muss der Farbton passen, sonst bleibt ein Fleck sichtbar, und die Wand wirkt geflickt. Auf Sichtbeton, Klinker und Naturstein ist Überstreichen keine Option, dort verändert es das Erscheinungsbild dauerhaft.
Sobald eine Fläche größer als ein paar Quadratmeter ist, oberhalb der Kopfhöhe liegt, aus Naturstein oder gedämmtem Putz besteht oder das Graffiti älter als ein paar Wochen ist, spricht wenig für den Eigenversuch. Ein Fachbetrieb kostet je nach Untergrund typischerweise zwischen 200 und 500 Euro für die üblichen privaten Flächen, ein misslungener Eigenversuch kostet die Reinigung trotzdem plus die Instandsetzung des Untergrunds. Bei einer selbst genutzten Immobilie sind die Arbeitskosten außerdem steuerlich absetzbar, was den Abstand weiter verkleinert.
Stromkästen, Haltestellen, Brückenpfeiler, Verteilerschränke und städtische Mauern gehören der Kommune oder einem Versorger. Dort selbst zu reinigen ist nicht Ihre Aufgabe und im Zweifel unerwünscht. Für diese Flächen gibt es den offiziellen Meldeweg der Stadt, wir haben alle 396 NRW-Gemeinden dazu einzeln geprüft: Graffiti melden in NRW.
Kaum. Backpulver und Natron sind milde Scheuermittel und lösen ausgehärteten Sprühlack nicht, Essig und Zitronensäure greifen Kalkstein und Fugen an, ohne die Farbe zu lösen. Aceton wirkt, ist aber nur auf Glas und Keramik unproblematisch.
Auf Glas und Fliesen mit gutem Ergebnis, auf lackiertem Metall mit Vorsicht, weil Lösemittel den Lack angreift. Auf Klinker, offenporigem Putz, Naturstein und gedämmten Fassaden ist der Eigenversuch nicht zu empfehlen.
Ohne chemische Vorbehandlung nicht. Der Strahl treibt die Farbe tiefer in die Poren und beschädigt Putz und Fugen. Fachbetriebe lösen die Farbe zuerst an und arbeiten dann mit heißem Wasser bei kontrolliertem Druck.
Auf einer ohnehin gestrichenen Fassade ja, aber nur mit isolierendem Sperrgrund, sonst schlägt die Sprühfarbe nach Wochen durch. Auf Sichtbeton, Klinker und Naturstein ist Überstreichen keine Option.
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